Kaum ein Kleidungsstück hat wahrscheinlich eine so starke Entwicklung erlebt wie das Korsett. Das figurgebende Teil hat große Veränderungen durchgemacht. Wenn man dessen Existenz einmal zurückverfolgt, an die Anfänge im 16. Jahrhundert denkt, und sich dann einmal die Korsetts von heute anschaut, wird schnell klar, dass dies ein wahrer Klassiker ist.
Waren es damals noch extrem versteifte Mieder, sind sie heute wesentlich bequemer. Das wohl älteste Exemplar fand man einst im Grabe einer spanischen Adeligen, der Herzogin Elenora di Toldeo, aus dem Jahre 1562. Die Anlässe, wann Frauen ein solches Korsett getragen haben, sind von damals bis heute sehr verschieden. Viele Frauen mit hohem Status wurden im Laufe der Zeit kunstvoll porträtiert, die Betonung der Taille war damals gang und gäbe. In den oberen Gesellschaftsklassen trug man es auch zu anderen, besonderen Anlässen. Die Herstellung war damals nicht einfach, weshalb es eines der teuersten Kleidungsstücke war, die man besitzen konnte.
Hergestellt wurden die schicken Stücke aus feinen gefärbten und gewebten Materialien, waren allerdings noch lange nicht so perfektioniert wie heute, zumindest was den Sitz betrifft. Viele Modelle drückten nämlich die Brust flach. Das sieht nicht nur unschön aus (damals galt es jedoch als schick!), sondern ist auch noch alles andere als angenehm für die Trägerin. Die Grundform war damals kegelförmig und mit Fischbein verstärkt. So versteifte man die sogenannten Schnürbrüste noch bis zum Beginn des 20. Jahrhundert. Doch schauen wir doch mal auf die zeitlichen Veränderungen:
Barock – Das Ende der plattgedrückten Brust!
Die entworfenen Korsetts stützen in der barocken Zeit (etwa 1575 bis 1770) die Brüste, indem die Schnitte niedriger wurden. Damit wurde zudem auch das Gesäß mehr betont und die Taille wirkte noch schmaler. Heute würde man es wohl “Holz vor den Hütten” nennen, was nach diesem Entwicklungsschritt besonders zum Vorschein trat. Die Vorderseite des Korsetts wurde zusätzlich gestärkt. Hierfür verwendete man Metall- oder Holzstäbe. Die Stäbe konnte Frau übrigens nach einem ordentlichen Abendbrot einfach herausziehen, was heute bei den meisten (wenn nicht sogar bei allen?) nicht mehr möglich ist, da sie fest eingenäht sind. Um diese Zeit schlichen sich auch die ersten Schnürformen ein. Diese unterscheiden sich tatsächlich von Land zu Land. Bis zur Französischen Revolution waren so zum Beispiel zwischen der hinteren Schnürung der Engländer und der hinteren UND vorderen, wesentlich strammeren Schnürung der Franzosen deutliche Unterschiede zu erkennen.
18. Jahrhundert – Korsetts und Mieder für alle!
Noch mehr Betonung für die weiblichen Rundungen und noch verspieltere Korsettmode ist dem 18. Jahrhundert zuzuschreiben. Vorbei war es mit der geraden Vorderseite. Und das Korsett schaffte es aus der Oberklasse in andere Gesellschaftsschichten. Jedoch war hier kein Geld, um teure Korsetts anzuschaffen, die wie gesagt bis ins kleinste Detail mit Fischbeinstäbchen gefertigt wurden, sondern eher eine weitere Art der Schnürmieder. Diese besaßen auch weiterhin die frontale Schnürung, denn eine helfende Zofe ging hier niemandem zur Hand. Am Ende dieser Zeit und auch am Anfang des darauffolgenden Jahrhunderts tat sich das elegante Kleidungsstück zeitweise etwas schwer – in Frankreich verschwand es sogar zeitweise ganz, da es als Kennzeichen des dekadenten Blaubluts galt. Während die Franzosen also modisch ein wenig zurücktraten, entdeckten in England noch ganz andere die Taillenformer für sich – die Männer nämlich! Ein Korsett macht ja die Taille schmaler, ergo lässt es die Schultern breiter erscheinen. Unterbrust- und Taillenkorsetts für Männer gibt es auch heute noch.
19. & 20. Jahrhundert – Das große Comeback?
Vorbei war’s mit der Handarbeit und der Friemelei zwecks Herstellung. Während der industriellen Revolution tauchten neue Verschlusstechniken auf und mit Hilfe von Metallösen wurde der ein oder andere Nähschritt im Nu überflüssig. Außerdem kamen die Nähmaschinen und verjagten die anstrengende und zeitaufwändige Handarbeit. Und schwupps war das Korsett überall wieder angesagt und die Fischbeinchen wurden nach und nach durch Horn oder Federstahl ersetzt. Mit all den neuen Fertigungsmöglichkeiten sanken die Herstellungskosten und somit natürlich auch die Preise für den Verbraucher. In größeren Mengen wurden fortan günstige Modelle gefertigt. Im Raum Stuttgart gab es zu dieser Zeit auf einmal 5000 Korsettmacher. Somit entpuppte sich das schmucke Kleidungsstück als das Markenzeichen für Ehrbarkeit und wurde zu einem “Must-have” bei gesellschaftlichen Arrangements. In den Jahren zwischen 1840 und 1870 kam dann die klassische Sanduhrform, die man wohl bis heute so stark mit dem Korsett verbindet. Sie formt eine besonders schmale Taille, was Brust und Hüfte üppiger wirken lässt. Im Anschluss daran wurde das Mieder nach unten hin immer länger und konnte somit ungewollte Röllchen am Bauch verstecken. In die 1890′er gehört dann die ganz extreme Form der Wespentaille, die man auch heutzutage in der Fetischszene schätzt. Eine weitere Form, die S-Form, sorgte zu Beginn des 20. Jahrhunderts nochmal für ein extremeres Herausstehen der Brust und ein extremeres Hereindrücken des Bauches.
Heute – Gothic, Fetisch, Schick
In den 80′ern wurde das Korsett dann quasi wieder zum Leben erweckt, als die Gothic Subkultur entstand und sich Frauen dieser Szene gerne Korsetts anzogen. Seit den 90′ern ist dieses wunderbare Kleidungsstück wieder etabliert und salonfähig. Viele schneidern ihre Modelle sogar selbst und verpassen dem Ganzen auf diesem Wege eine persönliche Note. Die Modeschöpfer, hierzu zählend Jean Paul Gaultier (ganz bekannt auch der Duft “Classique”, die Flasche mit der schmalen Taille
), lassen das klassische Teil immer wieder aufleben und auch die Musikbranche greift bei Videodrehs gerne mal darauf zurück. Madonna ist hier ein klassisches Beispiel und auch einige Stars der Fetischszene wären ohne Korsett kaum wiederzuerkennen. Von extremen Fällen, die sich für eine besonders schmale Taille sogar Rippenknochen entfernen, hört man heute übrigens auch – und das nicht nur in der Fetischszene. Hmm, wäre mir jetzt ein wenig zu viel des Guten.
Die weiblichen Rundungen mit sexy Korsetts aus Stoffen wie Leder, Lack, Seide oder ähnlichem einen extra Schliff zu verpassen, ist definitiv auch ohne schmerzhafte Operation möglich.





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